MAGDALENA MÜLLER - HA

 

 

 

 

Betrachtungen zur Arbeit von Magdalena Müller-Ha

von Prof. Ulrich Reimkasten

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle 2013


                               

 

Claude Levi-Strauss hat die Variationen menschlicher Gemeinschaften in zwei generell voneinander unterschiedene Kategorien eingeteilt: Kalte und heiße Gesellschaften. Kalte ruhen in sich, sind bemüht alles zu erhalten wie es ist. Heiße sind auf Wachstum, Expansion und Ausbeutung der Ressourcen gerichtet. Die Renaissance war die Anheizphase der Neuzeit.

John Cage überraschte vor einigen Jahren mit der Ouvertüre zu einem neuen Werk:

3 Jahre Stille. Sein Orgelwerk Organ²/ASLSP wird mit einer Dauer von

639 Jahren in der Halberstädter Sankt Burchardi Kirche aufgeführt. Zwischen den

einzelnen Tönen besteht ein enormer Zeitabstand von 3 bis 5 Minuten zu … Tagen.

 

Diese Beispiele sollen zeigen, in welcher ästhetischen Zone ich die Arbeit und die

künstlerische Haltung von Magdalena Müller-Ha einordne.

Magdalena Müller-Ha vertritt definitiv eine Position des Unspektakulären,

betonte Zurückhaltung und kultivierte Einfachheit. Stille ist für sie ganz sicher ein schöner Zustand; Reduzierung ist für sie eine Befreiung von Überflüssigem und nicht die heroische Vereinfachung von der Nietzsche spricht, ebenso wenig wie das flappige „Kunst ist Weglassen“ Max Liebermanns.

 

Ihr Tun entspricht einer natürlichen Genügsamkeit, die letztlich nichts Anderes ist als die Kehrseite einer aufs Detail gerichteten akribischen Betrachtungsweise der Welt und der persönlichen Erlebensebene.

In Bild und Text erschließen sich ergänzend eine individuell gesehene und erlebte Welt, die so ganz und gar im Kontrast zur historischen Realität, zumindest der der Medien steht und eine minimalistische Bilderwelt hervorbringt.

 

Vertiefend in diese Miniaturen offenbart sich eine hohe Ordnung gepaart mit Freiheit. Magdalena Müller- Ha hat sich menschliche und ästhetische Begriffe

und eine künstlerische Methode erarbeitet, die zwar klein beginnt, aber

von größter Potenz im Anbetracht des drohenden Kollaps ist, oder wie Peter Sloterdejk sagt „die Katastrophe trifft uns im Zustand der Vollnarkose“.

Die homöopathischen Dosen einer Ästhetik oder Kunst wie dieser werden womöglich

mehr bewirken als die Gipfeltreffen, Debatten und Gesetzesnovellen der Politiker.

Hier fällt mir noch ein Punkt ein, der eigentlich an den Anfang gehörte.

Der erste Bericht des Club of Rome von 1968 verweist auf die Grenzen des Wachstums, womit ja neue Strategien unerlässlich nötig werden …